Aktuelles Heft Lebendige Seelsorge

Rassismus

Rassismus ist ein gesellschaftliches Thema. Das zeigt sich nicht erst seit dem Tod von George Floyd im Mai 2020 und den Protesten unter dem Motto „Black Lives Matter“. Die Fragestellungen und Problemlagen liegen häufig tief und betreffen auch Theologie und Pastoral. Auffällig ist, dass es im deutschsprachigen Raum kaum Theolog*innen gibt, die sich explizit mit Rassismus befassen. Dabei ist durchaus davon auszugehen, dass Rassismus nicht nur ein Zeichen der Zeit ist, sondern in Pfarreien, Schulen, Jugendverbänden und unter Kolleg*innen vorkommt. Diese Zusammenhänge will das erste Themenheft der Lebendigen Seelsorge im Jahr 2021 ausloten und kontrovers diskutieren.




Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,




Rassismus ist eine weltumspannende und vielschichtige Realität. Menschen werden noch immer von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe wahrgenommen, eingeteilt und ermordet. Dabei markiert Rassismus nicht nur das Handeln einzelner, sondern auch Herrschaftsverhältnisse und ist tief in Gesellschaften verwurzelt. Mit diesem Themenheft möchte die Lebendige Seelsorge einen Beitrag zur notwendigen Auseinandersetzung mit dem individuellen und strukturellen Rassismus in Theologie, Kirche und Gesellschaft leisten.

Marita Wagner beschreibt geschichtliche Entwicklungen und zeigt dabei auf, wie Wahrnehmungs- muster bis in die Gegenwart prägen. Regina Polak markiert unmissverständlich, dass Rassismus eine Herausforderung für die Kirchen ist und sich konkret im Umgang mit der Migration zeigt. Franca Spieß legt dar, wie notwendig es ist, dass weiße Menschen lernen, Rassismus wahrzu-nehmen und die eigenen Privilegien zu hinterfragen. Sarah Vecera berichtet von ihrem Arbeits-schwerpunkt Rassismus und Kirche. Im Interview gewährt Amma Yeboah Einblicke in ihre Erfahrungen als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und als Trainerin für Empowerment und Critical Whiteness. Sandra Lassak denkt in ihrem Beitrag über den Zusammenhang von Rassismus und Körper nach und Daniela Kalscheuer macht auf das literarische Schaffen Schwarzer Autor*innen in Deutschland aufmerksam. Wie rassismuskritisches Arbeiten und Lernen gelingen kann, welche Anstrengungen dies kostet und was zu gewinnen ist, beschreibt Anthea Bethge. Keith Hamaimbo und Georg Krämer engagieren sich dafür, mit entwicklungspolitischer Bildungsarbeit und in globalen Netzwerken gegen Rassismus zu arbeiten. Auch Sprache ist nicht unschuldig. Bernd Hagenkord SJ macht dies für die liturgische Sprache deutlich. Die Beiträge in der Rubrik des Bonifatiuswerkes beschreiben praxisnah wie Rassismus im Rahmen eines Projektes der kirchlichen Bildungsarbeit in Sachsen-Anhalt umgesetzt wurde und wie sich die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen mit dem mobilen Café Hoffnung und begleitenden Bildungsveranstal-tungen in das Programm Weltoffenes Sachsen eingebracht hat.

Liebe Leserin, lieber Leser, ein facettenreiches Themenheft liegt in Ihren Händen. Ich wünsche Ihnen eine nachdenkliche Lektüre.


Ihre


Prof.in Dr. Hildegard Wustmans


HINWEIS: DISKRIMINIERUNGSSENSIBLE SPRACHE
Diese Ausgabe verwendet die Schreibweisen race bzw. ‚Rasse‘, weiß und Schwarz und verweist
damit auf soziale Konstruktionen, damit keine biologistischen Missverständnisse aufkommen.
Weitere Informationen zu diskriminierungssensibler Sprache finden sich bspw. unter https://
www.amnesty.de/2017/3/1/glossar-fuer-diskriminierungssensible-sprache.


Aktuelles Heft-Download

Sie finden die Downloads zum aktuellen Heft in unserem digitalen Archiv.

Beitrag von Marita Wagner, Die Geschichte des „rassistischen Albtraums“

Der neue Flyer

https://www.echter.de/pix/download/ls_falter_2020_rz.pdf

 
 
 
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