Aktuelles Heft Lebendige Seelsorge

Bibel lesen

Wie wird die Bibel gelesen? Wer liest sie? Was bedeutet es, dass die Bibel als „Seele“ der Theologie (vgl. DV 24) beschrieben wird? Die Bibel erzählt, sie ist nie fertig damit, sie ist ganz gewiss keine Ergebnissammlung fertiger Normen. Menschen lesen die biblischen Geschichten und erzählen sie weiter im eigenen Leben. Die neue Ausgabe der Lebendigen Seelsorge beleuchtet unterschiedliche Perspektiven der Bibellektüre – ökumenisch und interreligiös –, sie blickt kritisch auf missbräuchliche Instrumentalisierungen ebenso wie sie zu eigenständig kreativem Lesen ermächtigt.




Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,


die Bibel ist ein besonderes Buch. Dies soll in diesem Heft anschaulich und greifbar werden. Ihre Texte stehen in vielfältigen Beziehungen zueinander, sie erzählen, sie diskutieren. Eine ganze Erfahrungsgeschichte der Menschen

mit Gott und untereinander hat sich in ihr niedergeschlagen. Menschen, die die Bibel lesen, werden auch heute Teil ihrer Erzählungen und machen sie zu einem gelebten Ort in ihren konkreten Zusammenhängen: in der Wissenschaft

wie in der Kunst, als Podcast oder auf YouTube, in der katholischen und evangelischen wie auch in der jüdischen Rezeption.

Irmtraud Fischer und Johanna Haberer eröffnen das Heft mit einem ökumenischen Aufschlag zum Umgang mit biblischen Texten zwischen kirchlicher Inanspruchnahme und bibelwissenschaftlicher bzw. medialer Ermächtigung.

Im dritten Themenartikel erläutert Haim Weiss, warum die Bibel nicht im Mittelpunkt der jüdischen Gelehrsamkeit steht. Im Anschluss werden außergewöhnliche Projekte des Bibellesens vorgestellt: die Sketch-Bibel, in die Helmut Jansen einen Einblick gibt; Filmclips, die Ansgar Wiedenhaus SJ seit der Zeit des Lockdowns entwickelt hat und im Interview erklärt; und die St. Galler Corona-Bibel, die Ann-Katrin Gässlein, eine der Mitinitiatorinnen, präsentiert. Was es bedeuten kann, machtsensibel und im Konzilssinn das „Studium des Heiligen Buches“ als „Seele der Theologie“

(DV 24) zu verstehen, bedenkt Tobias Nicklas. Wie aktuell dieser Anspruch ist, zeigt Sigrid Eder ausgehend von Gewalttexten des Alten Testaments auf. Gertrud Moser sieht in biblischen Erzählfiguren Möglichkeiten persönlicher

Identifikation mit dem Wort der Heiligen Schrift und Carmen Diller reflektiert über die Bibel im Spannungsfeld zwischen Universität und Pastoral. Eine Horizonterweiterung weit über den religiösen Raum hinaus bietet Johannes Rauchenberger mit der Vorstellung zeitgenössischer Künstler*innen und ihrer kreativen Auseinandersetzung mit biblischen Motiven. Der Beitrag des Bonifatiuswerkes nimmt Sie im Rahmen des bibelpastoralen Projekts Tiere der Bibel sogar mit in den Zoo.

Liebe Leserin, lieber Leser, Bibel lesen ist vieldeutig, bisweilen anstrengend und unverzichtbar für all jene, die sich auf die Bibel berufen. Zwischen den Beiträgen wird klar, dass es ‚die richtige‘ Bibelrezeption nicht gibt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass die Lektüre des Themenheftes auch dazu führen möge, dass Sie anders, neu und häufiger die Bibel lesen.

Ihre

Prof.in Dr. Ute Leimgruber


Aktuelles Heft-Download

Sie finden die Downloads zum aktuellen Heft in unserem digitalen Archiv.

Beitrag von Haim Weiss, Die Bibel in jüdischer Tradition studieren

Der neue Flyer

https://www.echter.de/pix/download/ls_falter_2020_rz.pdf

 
 
 
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