Jerzy Popiełuszko

Jerzy Popiełuszko
Jerzy Popiełuszko

Das Martyrium eines Priesters im kommunistischen Polen

1984 wurde Jerzy Popiełuszko von Offizieren des polnischen Staatssicherheitsdienstes entführt und im Weichsel-Stausee bei Włocławek ertränkt. Bereits zweimal zuvor war er nur knapp Attentaten auf ihn entkommen. Cesare Zucconi zeichnet den Weg dieses Arbeiterpriesters nach, der 1980 als erster eine Messe für die streikenden Schweißer auf deren Fabrikgelände las. Seine Unterstützung von Familien der Solidarność-Anhänger, seine monatlichen „Messen für das Vaterland“ und seine regimekritischen Predigten waren Grund dafür, dass er immer wieder ins Visier des Geheimdienstes geriet. Verhaftungen, Bespitzelung und Verfolgung fanden ihren Höhepunkt in seinem gewaltsamen Tod. Doch der Prozess gegen seine Mörder und die Aufdeckung der Hintergründe der Tat gelten als wesentlicher Baustein für die Überwindung des kommunistischen Regimes in Polen.
2010 wurde Jezy Popiełuszko selig gesprochen, 2014 sein Heiligsprechungsverfahren eröffnet.


Autor:
Cesare Zucconi, Politologe und Historiker an der Universität „La Sapienza“ in Rom, hat seinen Forschungsschwerpunkt in der Neueren Kirchengeschichte und der Neueren Geschichte Mitteleuropas.


310 Seiten
14 x 22,5 cm. Gebunden
€ 19,90 (D) / € 20,50 (A)
ISBN 978-3-429-05425-0

1. Auflage 2020

Bisherige Bewertungen

geschrieben am 01.02.2021 von , bewertet mit 5/5 Sternen Schon alleine die Tatsache, das auf dem deutschen Buchmarkt ein Buch zu diesem, mir so nahen Thema, erschienen ist, hat mich sofort am Heiligen Abend wie ein kleiner Blitz getroffen. Ein positiver, guter Blitz des Heiligen Geistes, wenn man so will Aber die gute Nachricht reicht über die bloße Tatsache hinaus, dass ein Buch zu diesem Thema und Sie sollten es vielleicht wissen, dass die Person des sel. Kaplans Popieluszko jedes polnische katholische Herz schneller schlagen lässt dass ein Buch also zu diesem Thema entstanden ist. Das Buch existiert nicht nur, es ist noch dazu sehr gut. Es lässt sich nämlich ganz viele ziemlich schlechter Bücher zu guten Themen finden. Dieses Buch ist echt gut Es ist sehr gut recherchiert. Das Fußnotenwerk ist solide. Man merkt, dass der Autor die zugängliche Literatur und die Archive, also alles, was es nicht auf Polnisch zum Kaplan Popieluszko gibt, studiert hat. Es ist auch sehr gut geschrieben. Der Stil ist lebhaft und kurzweilig. Der Autor verliert sich nicht in Details der rote Faden ist stets erkennbar. Er stellt das Leben und Wirken des seligen Priesters und Martyrers unserer Zeit vor dem breiten Hintergrund der Geschichte Polens nach 1945. Es ist wirklich eine hoch spannende und universelle Geschichte eines Widerstandes gegen die atheistische Indoktrination, eines Widerstandes für die wahre Freiheit des Menschen, eines Widerstandes ohne Gewalt und dazu eines Widerstandes in den Tod hinein. Dabei findet man diese und andere wirklich spannende Anegdote, die das Ganze bei der gebotenen Seriosität dazu unterhaltsam machen, wie diese, dass die Polen den apostolischen Nuntius und den späteren Papst Pius XI, Achille Ratti aus Warschau rausschmeißen, weil er bei der Gestaltung der neuen Grenzen in Schlesien nach dem I. Weltkrieg neutral geblieben ist, statt eindeutig die polnischen Positionen zu vertreten. Alles in allem bin ich Ihnen für dieses Buch sehr dankbar. Vieles wird in der Öffentlichkeit über das angeblich zusammenwachsende Europa geschrieben und gesprochen. Doch ich werde manchmal den Eindruck nicht los, dass man sich für die Nachbarn, ihre Identität, ihre Geschichte, was ihre Kultur ausmacht, wie sie ticken , nicht so richtig interessiert. Es läuft eher auf eine Gleichmacherei hinaus, aufgrund der gemeinsamen europäischen Werte . Man verstehe darunter, was man wolle. Das greift aus meiner Sicht zu kurz. Ohne wirklich ein tiefes, reifes Verständnis für die Völker Europas in all ihren ganz verschiedenen Identitäten, Herkunft, Kulturen, wird es - wage ich zu behaupten - kein gemeinsames Europa geben. Leider sind diese Bestrebungen, die anderen wirklich so zu begreifen und zu akzeptieren, wie sie sind und diese Andersartigkeit als einen Beitrag, als Bereicherung für das Gemeinwesen zu sehen, immer noch ziemlich selten. Aber es gibt sie. Und das Buch ist eine von ihnen.

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