Lesejahr C

Gottes Wort im Kirchenjahr 2/2019

Auf ein Wort unter uns

Liebe Mitbrüder,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Verkündigung und Liturgie!

Ich muss zugeben, ich bin ein schlechter Predigthörer. Vermutlich bin ich nach 15 Jahren in der Redaktion von Gottes Wort im Kirchenjahr etwas verdorben worden.

Ob ich bei einer Eucharistiefeier konzelebriere, mich in die Bank setze und mitfeiere oder eine Predigt im Fernsehen verfolge, ich beginne immer gleich zu analysieren und innerlich predige ich meistens mit. Während meines diesjährigen Urlaubs habe ich den Sonntagsgottesdienst einer Gemeinde mitgefeiert und war ziemlich sprachlos nach der Predigt des Mitbruders, der dort die Urlaubsvertretung übernommen hatte.

Es war der Sonntag nach der Veröffentlichung der MHG-Studien zum Missbrauch in der katholischen Kirche. Der Prediger nahm wirklich kein Blatt vor den Mund, verurteilte die Täter aufs Schärfste und forderte ein Umdenken bei den Verantwortlichen. Es waren starke Worte und offensichtlich hat er den Nerv der Zuhörer getroffen, denn nach dem „Amen“ brandete Applaus auf.

Ich habe nicht geklatscht. Ja, rhetorisch war es eine gute Ansprache, die Zuhörerschaft hat gebannt zugehört, war wirklich interessiert und hat sich von den Ausführungen des Priesters mitreißen lassen. Was es aber nicht war, war Verkündigung der Frohen Botschaft. 

Ich habe noch lange über diese Predigt nachgedacht. Ich habe mich gefragt, ob ich sie so gehalten hätte. Ganz sicher nicht in einer mir fremden Gemeinde, ganz sicher auch nicht in einem Gottesdienst, dessen Besucherinnen und Besucher zu 98 Prozent Touristen sind, die sich „geistliche Nahrung“ im Urlaub wünschen. 

Sinn der Predigt ist es, das Evangelium zu verkünden und den Zuhörerinnen und Zuhörern die Botschaft der Heiligen Schrift verständlich auszulegen. Dabei geht es nicht um Belehren oder Informieren. Ziel muss sein, die Hörerinnen und Hörer zum Nachdenken anzuregen. „Eine gute Predigt muss die Hörer zum Glauben reizen, sie darin stärken, ihre Aufgaben in Beruf und Alltag bewältigen zu können. … Wenn eine Predigt zum Nachdenken, zu Austausch und Diskussion anregt, ist das das beste Zeichen“, so der Mainzer Pastoraltheologe Professor Philipp Müller in einem Interview mit dem Internetportal www.katholisch.de.

Der Redebedarf, der zweifelsohne in und mit der Kirche besteht, kann nicht in Predigten abgehandelt werden, in denen einer spricht und alle anderen zuhören. Das wird weder dem Wesen der Predigt als Verkündigung des Wortes Gottes gerecht, noch erfüllt es die berechtigte Forderung nach Dialog und Transparenz. In Zeiten, in denen Skandale die Kirche erschüttern, menschliches Fehlverhalten sie entstellt und strukturelle Fragen den Blick in die Zukunft erschweren, muss das Gespräch gesucht werden. Selbst wenn es anstrengend ist, schmerzhaft
und langwierig. 

Nur gemeinsam, nur als Gemeinschaft kann sich die Kirche den anstehenden Fragen stellen. Es geht nicht um die Meinung von Berufskatholiken, theologischen Experten und Führungskräften, es geht um die Zukunft der Kirche. „Dabei bestimmt die Kirche kein irdischer Machtwille, sondern nur dies eine: unter Führung des Geistes, des Trösters, das Werk Christi selbst weiterzuführen,
der in die Welt kam, um von der Wahrheit Zeugnis zu geben; zu retten, nicht zu richten; zu dienen, nicht sich bedienen zu lassen“ (Gaudium et spes. 3).

Sicher ist es in diesen Tagen nicht immer leicht, als Vertreter oder Vertreterin der Kirche wahrgenommen zu werden. Ich hoffe, wir können Ihnen mit dem vorliegenden Band von GWiK zumindest eine kleine Arbeitshilfe bieten, die Sie bei der Gestaltung von Verkündigung und Liturgie unterstützt.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr P. Christoph Heinemann OMI

pdfGWiK 2 2019 Inhalt.pdf
pdf1. Fastensonntag 10. März 2019.pdf
pdfZum Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit, Gottes Barmherzigkeit zeigen, Marcin Worbs.pdf
pdfZur Gestaltung von Wort-Gottes-Feiern mit GWiK.pdf 

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